Sicherheit auf dem Fahrrad – die Angst fährt (nicht) mit

Mehr Fahrräder bedeuten mehr Fahrradverkehr. Und egal wie vorbildlich oder rüpelhaft Radfahrer unterwegs sein mögen – wenn es zu einem Unfall mit einem Auto kommt, ziehen sie den Kürzeren. Die Anzahl der jährlich auf Deutschlands Straßen tödlich verunglückten Radfahrer ist in den vergangenen Jahren zum Glück nicht angestiegen. Aber nach wie vor stirbt im Durchschnitt jeden Tag ein Radfahrer oder eine Radfahrerin

Und nach wie vor gibt es die bekannten Brennpunkte und Gefahrenstellen – keine Sicherheit auf dem Fahrrad. Außerdem lässt die wachsende Anzahl von Pedelecs und E-Bikes das Unfallrisiko nach oben schnellen. Auf das erhöhte Tempo müssen sich Autofahrer wie Radfahrende erst einmal einstellen. Insbesondere Senioren – eine Pedelec-Zielgruppe – radeln mit Motorschub gefährdeter.

E-Bike Pedelec Umbausatz Sicherheit auf dem FahrradZwar haben und erhalten Zweiräder viel Recht, seit das Bundesverfassungsgericht Ende der 1990er eine Tendenz zugunsten des Radverkehrs einleitete. Sie dürfen beispielsweise auf der Straße fahren, wenn der Radweg nicht frei ist oder nicht den Mindestanforderungen genügt. Auch das in Gegenrichtung in Einbahnstraße Fahren ist auf dem Drahtesel nicht mehr tabu. Erst gestern erhielt und las ich einen Zeitungsartikel darüber, dass Autofahrern vor Gericht meist den Hauptteil der Schuld zugesprochen wird, selbst wenn Radfahrer in falscher Richtung auf dem Radweg unterwegs sind.

Aber was nützt dieses Recht, wenns kracht? Und das ist mehr als 80.000 Mal pro Jahr der Fall in Deutschland!

Also wie geht Sicherheit auf dem Fahrrad?

E-Bike Pedelec Umbausatz Unfall SicherheitDer Fahrrad-Monitor Deutschland, alle zwei Jahre vom Bundesverkehrsministerium herausgegeben, zeigt kontinuierlich, dass sich knapp die Hälfte der befragten Radfahrer und Radfahrerinnen nicht sicher fühlt auf dem Fahrrad. 2017 befanden sogar 87 Prozent der Befragten, dass die Bundesregierung nicht fahrradfreundlich sei.

34 Prozent der Bundesbürger würden gern häufiger Radfahren. 63 Prozent wünschen sich dabei mehr Radwege, denn insbesondere beim notgedrungenen Fahren auf der Kfz-Fahrbahn – dem so genannten „Mischverkehr“ – fühlen sich 85 Prozent der Radler unsicher, wie der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) betont.

Angst ist weder ein guter Ratgeber, noch ein guter Begleiter. Was sollten und was können Radfahrende tun?

Fahrradhelm ist gut – aber nicht alles.

Fürs Pedelec besteht zwar keine Helmpflicht in Deutschland, aber das Geschwindigkeitsplus sollte niemand ignorieren. 15 Helme hat Stiftung Warentest 2017 getestet – 7 davon wurden für „gut“ befunden. Aber 15 ist eine sehr begrenzt aussagekräftige Auswahl und kaum ein Tropfen auf dem heißen Stein. Vielfach vergessen wird, dass die richtige Einstellung und der richtige Sitz enorm wichtig sind:

E-Bike Pedelec Sicherheit auf dem Fahrrad Fahrradhelm

Bundesverkehrsministerium / Flickr

Beim Unfall sollte der Helm nicht verrutschen und der Gurt keine zusätzliche Gefahrenquelle darstellen.

Aber statistisch sind Radfahrende mit Helm auch häufiger in Unfälle verwickelt – vielleicht wegen des trügerischen Gefühls von Sicherheit?! Andererseits enden Unfallstürze ohne Helm häufiger fatal. Worauf zumindest seit dem vorletzten Test etliche Hersteller diesbezüglich achten, ist der Schutz der Schläfen durch seitlich tiefere Helmschalen. Einigen der obendrein coolen Modelle mangelt es wiederum an Lüftungsschlitzen.

Sehen und gesehen werden.

Manche steigern die Sicherheit auf dem Fahrrad zusätzlich durch integrierte Reflektoren am Helm. Sichtbarkeit ist ohnehin ein zentrales Thema. Auffällige Kleidung, alle geforderten Reflektoren (vorn, hinten, an Pedalen und Rädern), intakte Beleuchtung – am besten mittels Nabendynamo und inklusive Standlicht.

Und auch wenn es für Fahrräder und Pedelecs keinen TÜV gibt, sollte auf die umfassende Verkehrstüchtigkeit geachtet werden: zwei Bremsen sowie ein gutes Reifenprofil erhöhen ebenfalls eindeutig die Sicherheit auf dem Fahrrad.

Fahrstil: „äußerlich offensiv, innerlich defensiv“

Aber selbst wenn alle Zweiräder allgemein ordentlich ausgerüstet wären, wenn speziell ihre Beleuchtung perfekt wäre und wenn alle Radler und E-Biker einen brauchbaren Helm trügen, ließe ihre Sicherheit zu wünschen übrig!

Subjektiv empfinden viele den Autoverkehr und besonders rücksichtslose Autofahrer als das E-Bike Pedelec Sicherheit auf dem Fahrrad UnfallProblem, woraus der Wunsch nach separaten Radwegen erwächst. Objektiv sieht das erstaunlich anders aus!

Aber zuerst ein Verweis auf die StVO (Straßenverkehrsordnung), die eine angemessene Fahrweise verlangt. Aufmerksamkeit ist ein Sicherheitskriterium, ein eindeutiger, berechenbarer Fahrstil ein weiteres. Aber auch die Geschwindigkeit: In Paragraph 41 der StVO versteckt sich beispielsweise die Vorschrift, dass selbst auf explizit für Radfahrer zugelassenen Fußwegen Schrittgeschwindigkeit zu fahren ist!

Zügige Geschwindigkeit verpflichtet in jedem Fall zu erhöhter Aufmerksamkeit. Wer mit überhöhter Geschwindigkeit radelt, bekommt sonst beim Unfall eine erhebliche Teilschuld – sogar auf 2,00 Meter breiten innerstädtischen Radwegen können schon 25 km/h zu viel sein!

Besser Straße als Radweg!

Ein interessanter aber inoffizieller Ratgeber mit zehn Geboten formuliert konsequent: Fahre äußerlich offensiv, innerlich defensiv. Gehwege sind tabu. Nutze den dir zustehenden Raum auf der Straße. Meide möglichst Radwege. Beim Fahren auf der Straße ist ein Abstand von einem Meter zu parkenden Autos vorgeschrieben, ein Meter Abstand zur rechten Bordsteinkante ist statthaft.

Wider dem persönlichen Gefühl sind Radfahrer auf der Straße sicherer unterwegs. Das belegen Studien. Ideal ist laut ADFC eine in die Fahrbahn integrierte Radspur. Hier ist die Sichtbarkeit einfach am besten gewährleistet, speziell in allen Kreuzungssituationen, Ausfahrten sowie Einmündungen. Ganz im Gegensatz dazu bei einem separaten Radweg, der hinter parkenden Autos und womöglich auch Bäumen versteckt ist, so dass Radfahrer wie aus dem Nichts auftauchen. „Die Unfallgefahr auf dem Radweg steigt an Kreuzungen ohne Ampel um 500 Prozent! Durch bauliche Maßnahmen sind Radwege dann nur noch doppelt so gefährlich, als mit dem Rad auf der Fahrbahn zu fahren!“

Fazit:

  • falsche Sicherheit auf dem Radweg
  • aufmerksame und selbstbewusste Fahrweise hilft
  • Sichtbarkeit erhöht Sicherheit auf dem Fahrrad
  • Fahrradhelm ist definitiv eine Option
  • überhöhte Geschwindigkeit auch auf 2 Rädern ein Thema
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